Sascha Lobo: Überraschungsvortrag auf der re:publica 2012

06 Mai Sascha Lobo: Überraschungsvortrag auf der re:publica 2012

Sascha Lobos Reden auf der re:publica sind berühmt-berüchtigt. Der Berater mit dem roten Irokesen ist dafür bekannt, zu polarisieren, zu beleidigen und sich lustig zu machen. Nicht jedermanns Sache sowas. Mit entsprechender Spannung wurde sein diesjähriger Auftritt erwartet. Nicht unklug gewählt, der Titel: „Überraschungsvortrag“.

Vor prall gefülltem Hauptsaal kündigte Lobo unter dem Titel „Stand des Internet 2012“ eigentlich einen langweiligen Status-Quo-Bericht an. Es kam jedoch anders.

Hier ist der Mitschnitt des Vortrags und ich kann nur empfehlen, es sich bei Popcorn und Masala-Tee vor dem digitalen Ausgabegerät gemütlich zu machen und sich die Lobo-Show anzusehen. Meine Zusammenfassung folgt unterhalb des Videos.

Zusammengefasst:

Hauptbotschaft #1: „Macht Blogs“
In der jüngsten Vergangenheit wachsen Social Media-Plattformen wie Facebook, Twitter oder Tumblr rasant. Dies hat primär mit der Einfachheit der Bedienung und dem schnellen Austausch von Inhalten zu tun. Selber Inhalte zu erstellen kostet Zeit, die technische Struktur zu schaffen, überfordert viele Nutzer. Dennoch wird gerne übersehen, dass man bei der Nutzung von vorhandenen Diensten dem Tun und Handeln der Eigentümer schutzlos ausgeliefert ist. Das Netz bietet den Raum, sich selber im Rahmen geltender Gesetze auszudrücken. Diese Freiheit hingegen wird durch AGBs und Exit-Strategien von wirtschaftlich handelnden Unternehmen beschnitten. Insbesondere für Unternehmerinnen und Unternehmer ist dieser Sachverhalt enorm wichtig. Denn wer sein Geschäftsmodel zum Teil oder vollständig ins Internet verlagert, sollte nach wie vor Herr über die erstellten Inhalte sein. Zwar ist ein Tumblr-Blog binnen weniger Minuten erstellt und in optisch attraktive Form verwandelt, doch wenn sich der Dienstanbieter eines Tages entschließt, die Tür zuzumachen, dann verschwinden die mühsam erstellten Inhalte im digitalen Nirwana. Welcher Geschäftsmann kann es sich leisten, seine Datenbasis zu verlieren?
Lobos Aufruf „Macht Blogs“ kann generalisiert betrachtet werden: Macht was Eigenes. Eine selbstgehostete Webseite, einen Shop auf einem eigenen Server, ein eigenes Blog jenseits von Service-Anbietern. Bleibt Herr Eures Kapitals, Eurer Infrastruktur! Dank Open-Source-Lösungen kostet es heute nur einen Designer und Programmierer, der die Gestaltung, Installation und Einrichtung der Software übernimmt. Die Nutzung von Diensten wie Facebook, Twitter & Co. sollte demnach im Rahmen des Marketingmixes stattfinden.

Hauptbotschaft #2: Die Netzgemeinde ist nicht das Volk.
Die Einfachheit der digitalen Mittel verleitet viele Unternehmen und Nutzer dazu, sich ausschließlich innerhalb des digitalen Raums zu bewegen. Dabei wird aber vergessen, das nicht jeder Deutsche Twitter aus dem FF beherrscht oder via One-Klick-Shopping in der Bahn bei Amazon Bücher einkauft. Ebenso kann ein großer Teil der Bevölkerung nichts mit einer Diskussion um Spotify vs. Urheberrecht vs. Megaupload vs. GEMA anfangen. Es gilt also, all jene in sein Handeln mit einzubeziehen, die in der digitalen Welt noch nicht oder nicht so tief verwurzelt sind. Uns, jenen, die wir heute bereits das Internet als Werkzeug nutzen, obliegt die Aufgabe, die Gesellschaft mit ins Boot zu holen. Das betrifft neben Datenschutz, Urheberrecht, Vorratsdatenspeicherung noch eine ganze Reihe weiterer Themen.

Lobo hat mit seinem Vortrag trotz aller Lacher, Pointen und Beleidigungen zwischen den Zeilen Botschaften verteilt, die ernsthaft sind und in der Tat den aktuellen Stand des Internets 2012 darstellen. Insbesondere für Unternehmen sind die Botschaften von elementarer Bedeutung, beinhalten sie doch die Chance des Wachstums.

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

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