re:publica 2012. Mein re:sümee

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07 Mai re:publica 2012. Mein re:sümee

Ich habe mir ein paar Tage Zeit gelassen, um mein persönliches Fazit aus der re:publica 2012 zu ziehen. Ich habe darauf verzichtet, die Meinungen anderer im Internet zu lesen. Dafür hat Berlin am Wochenende einfach zu viel Spannendes zu bieten.

Die Location:
Nachdem die Konferenz im letzten Jahr an die Grenze der räumlichen Kapazitäten stieß, warteten die Organisatoren in diesem Jahr mit der STATION als Veranstaltungsort auf. Eine exzellente Wahl, die die Konferenz, mit ihrem Netzwerk-Gedanken optimal unterstützte.
Die kreisförmige Anordnung der Stages um den großen, hellen Lichthof brachte die Besucher unaufdringlich zusammen. Sobald eine Session beendet war, strömten die Besucher quasi in das Zentrum der Location. Man verabredete sich, traf sich spontan oder holte tief Luft. Der große, und dank dem Berliner Wetter, meistens sonnengeflutete Innenhof mit dem Catering sorgte für zusätzlichen Freiraum.

Die Besucher:
Die Veranstalter nannten knapp 4.000 Besucher. Und es war ein großer bunter Haufen. Die digitale Kultur ist also auch in der realen Welt so bunt, wie im Netz selber. Ob roter Irokese, grüne Matte, Anzug, Flip-Flops, Shirt oder Hoodie – es war ein Treffen von individuellen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereich und mit unterschiedlichen Erwartungen.

Die Sessions:
Schon die Planung der drei Tage stellte mich vor ernsthafte Probleme, wusste ich doch nicht, wie ich mich zerteilen kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Gerne wäre ich in zwei Sessions gleichzeitig gewesen. Aber auch anhand derer, die ich besuchte ließ sich erkennen, dass für jeden etwas dabei war. Sessions mit Grundlagenvermittlung, Panels für Fortgeschrittene und Metadiskussionen für Insider – ich fand mich in unterschiedlich interessanten Runden wieder. Wenn 4.000 Personen auf einer Konferenz aufeinander treffen und gemeinsam Sessions besuchen, dann ist es nahezu ausgeschlossen, eine fachlich vertiefte Diskussion zu führen. Zu heterogen die Masse.
Meinen Wunsch, Denkanstöße zu erhalten und meinen Blickwinkel neu einzustellen, wurde mit dem Konzept und den Sessions erfüllt.

Ausgemachte Schwerpunkte:
Zusammengefasst sind mir 3 thematische Schwerpunkte bzw. Herausforderungen aufgefallen, mit denen die Gesellschaft (und insbesondere die Netzgemeinde) konfrontiert ist: „Skalierung auf die Gesamtheit“, „Do-it-yourself“ und „wirtschaftspolitische Revolution“.

Skalierung auf die Gesamtheit:
Während die Netzgemeinde sehr engagiert und angestrengt über netzpolitische und netzrelevante Themen diskutiert, philosophiert und manchmal lamentiert, findet für einige Zehnmillionen Bürger das Netz immer noch nur im Abrufen von e-Mails statt. Diese unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten gilt es bei dem Diskurs über die Zukunft des Digitalen mehr zu berücksichtigen. Auch wenn die „Piraten“ im Moment politisch mit Rückenwind durch die politischen Gewässer Deutschlands segeln, so heißt das nicht, dass die Mehrheit der Wähler zu Netzthemen ebenso angeregt diskutieren kann, wie über die „Herdprämie“.
Die Aufgabe wird sein, netzbezogene Themen so aufzubereiten, dass sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und verständlich werden. Nerd-Sprache ist out!

Do-it-yourself:
Facebook, Twitter, Instagram & Co. verkünden gigantische Zuwachsraten in Nutzern und Geldmitteln. Nutzer scheinen wie blind den Diensten verfallen zu sein und posten, sharen, liken als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei wird gerne vergessen, dass die Unternehmen von den Nutzern nur zwei Dinge wollen: ihre Daten und Inhalte. Denn diese beiden Dinge bringen Investoren in Verzückung und öffnen Brieftaschen.
Galt das Netz lange als Möglichkeit, sich selber zu verwirklichen, Meinungen zu äußern und Inhalte zu erschaffen, gibt sich der durchschnittliche Nutzer heute meist nur noch mit der Wiedergabe bereits vorhandener Inhalten zufrieden.
Es gilt in der Zukunft wieder die Gehirnzellen zusammen zu reißen und eigene Ideen einzubringen – und das auf selbstkontrollierten Plattformen.

wirtschaftspolitische Revolution:
Inzwischen hat auch die Musikindustrie langsam mitbekommen, dass dieses Internet das Kauf- und Konsumverhalten nachhaltig verändert hat. Und es ist auch bekannt geworden, dass man sich etwas einfallen lassen muß, um den Kunden bei der Stange zu halten. In der Unterhaltungsindustrie verdienen Unternehmen Geld wie Heu – nur sind es derzeit meist die Betreiber illegaler Download-Plattformen. Anstatt den Musikbegeisterten zu kriminalisieren, gilt es Lösungen zu finden, die Geldströme wieder in die richtigen Kanäle zu leiten – hin zu den Künstlern.
Der Hilferuf der Wirtschaft nach politisch initiierten Regularien scheint ein einfaches Mittel zu sein, das Ziel zu erreichen. Doch soll und darf sich die Politik so stark in wirtschaftliche Fehlentwicklung einmischen und den Lebensraum von so vielen reglementieren?
Viel ist im Auf- und Umbruch – Vieles getrieben von angstbeflügeltem Aktionismus und Lobbyismus. Die Aufgabe wird sein, die Entscheidungen zu beeinflussen, um den Charakter des Netzes als Raum der freien Kommunikation und Wirtschaftsstandort aufrecht zu erhalten.

Hat sich´s gelohnt:
Ich habe einen Leitsatz: „Wenn ich auch nur eine Idee von einem Event mit mir nach Hause nehme, hat sich der Besuch gelohnt.“ Und ich habe eine Menge Ideen mitgenommen.

In diesem Sinne, wir sehen uns auf der re:publica 2013

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

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