10.000-Stunden-Regel – ein Trugschluß mit Folgen

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08 Jul 10.000-Stunden-Regel – ein Trugschluß mit Folgen

„Übung macht den Meister“ – an dem Spruch ist was dran, kennen wir ihn doch schon von unseren Großeltern. Spätestens Malcolm Gladwells Bestseller „Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“ rückte die bereits 1993 vom US-Psychologen Anders Ericsson veröffentlichte Theorie zurück ins Licht der Öffentlichkeit – diesmal sogar der breiten.

Der US-Neurologe Daniel Levitin, der sich an der McGill Universität in Montreal ebenfalls mit der Regel beschäftigte, sagte:

Ten thousand hours of practice is required to achieve the level of mastery associated with being a world-class expert — in anything.

(Daniel Levitin: „This is Your Brain on Music“)

Damit haben wir´s also alle Schwarz auf Weiß: Üben, üben, üben – und schon läuft die Sache.

 

Leider – und das fällt mir bei meiner Arbeit häufig auf – wird diese 10.000-Stunden-Regel, die sicher stimmen mag, von vielen Unternehmern fehlinterpretiert. Bezieht sich die Regel eigentlich auf ein ganz spezielles Fachgebiet (z.B. Klavierspielen, Fußballspielen, Singen, Programmieren u.s.w.) lassen sich heute viele Unternehmer (gerne auch Jungunternehmer) von Versprechen Weiterbildungsanbieter verleitet, ihre Kenntnisse mit dem Besuch von Weiterbildungen so zu erweitern, dass sie in der Lage sind, die spezifischen Aufgaben selber zu erledigen. Und genau an dieser Stelle sage ich immer: Vorsicht!

Zugegeben, vieles ist Dank der Technisierung und der Verbesserung von Usability einfacher geworden. Einen Onlineshop einrichten kann heute fast jeder mit leichter technischer Vorstellungskraft. Aber darum geht es im Kern nicht. Es geht um die Kenntnisse, für die andere Personen die Schulbank gedrückt und viele Jahre praktische Erfahrung gesammelt haben, die sich berufs- und interessenbedingt in einem permanenten Prozess der Weiterbildung befinden.
Am Beispiel von Photoshop habe ich mehrfach erlebt, wie die 10.000-Stunden-Regel falsch verstanden wird. Geht es darum, seinen Webauftritt, eine Visitenkarte oder einen Flyer zu erstellen, steht Unternehmern neben Fachliteratur auch ein reichhaltiges Angebot an Seminaren zur Verfügung. Am Ende der Lernbemühungen sind sie bestenfalls in der Lage, Photoshop zu bedienen, wie es ein Grafikstudent im ersten Semester nach 1 – 3 Monaten kann (nichts gegen die Qualität der Literatur und der Seminare).

Was aber vergessen wird: Photoshop ist nur das Werkzeug. Abgesehen von den oberflächlichen Anfängerkenntnissen fehlt das Wissen über die Gestaltung an sich, die Psyche des Konsumenten und Verkaufs- sowie Gestaltungstricks. Das hat zur Folge, dass die Ergebnisse der selbstgestalteten Layouts möglicherweise das Ziel (den Kunden) verfehlen.
Ganz nebenbei hat der Unternehmer sein eigentliches Kerngeschäft, bei dem er bereits mehr als 10.000 Stunden Erfahrung verfügt und ihm niemand das Wasser reichen kann, links liegen gelassen.

Das soll nicht heißen, dass sich Unternehmer nicht mit fremden Themenbereichen beschäftigen sollen. Ein Verständnis dafür zu entwickeln, kann in einer Zusammenarbeit von Vorteil sein. Aussagen wie „Ich habe mich in Photoshop reingearbeitet und liefere Euch das CI.“ verheißen aber in den seltensten Fällen Aussicht auf Erfolg.

 

Fazit: Augen auf und Tellerrand sind wertvoll und werden vom erfolgreichen Unternehmer der Zukunft verlangt. Unternehmern von heute steht ein breites Netzwerk von 10.000-Stunden-Experten zur Verfügung, denen er sich bedienen kann. Und darin liegt das unternehmerische Geschick: mit der gezielten Nutzung von Profis das eigene Geschäft professionell zu entwickeln und sich auf seine eigene Kern-Kompetenz zu konzentrieren.

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

2 Kommentare
  • dietmar
    Veröffentlicht: 20:54h, 28 Juli Antworten

    Nun das liegst du falsch wie so viele
    les mal Devid Shenk – Das Genie in uns, dann weißt du wie es wirklich gemeint ist mit den 10.000 Stunden, es ist keine Regel sondern eine Feststellung das auch bei sogenannten Genies es 10000 Stunden bedürfte bis das wirkliche in ihnen raus kam.
    Es irgendwie nur ein Maß

    Gruß
    Dietmar

  • http://autoinsuranceabc.dynddns.us/average_state_auto_insurance_rates.xml
    Veröffentlicht: 16:36h, 20 Juli Antworten

    La solita notizia della presunta morte di un personaggio famoso… Solo che qui la notizia arriva a puntate^^C'è per caso una raccolta di queste bufale? Io sono fermo a Clive Owen..

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