peinliche Social-Media-Panne von HAMBURG.de

(C) und mit freundlicher Genehmigung durch Nils Waldow

22 Aug peinliche Social-Media-Panne von HAMBURG.de

Das hatten sich die Verantwortlichen des Stadtportals hamburg.de sicher völlig anders vorgestellt als es dann heute kam.

Am letzten Wochenende fanden die Cruise Days und das Blue Port Festival in Hamburg statt. Nach Abschluß der Veranstaltungen rief hamburg.de einen Fotowettbewerb aus, bei dem Besucher ihre Fotos der blau beleuchteten Stadt einreichen konnten. Ein Online-Voting sollte das Siegerfoto küren, welches anschließend u.a. als Titelbild auf der Facebook-Seite der Stadt Hamburg (http://www.facebook.de/hamburg) eingesetzt werden sollte.

(C) und mit freundlicher Genehmigung durch Nils Waldow

Jedoch entwickelten sich sowohl Fotoeinreichung als auch anschließendes Voting anders als geplant. “FUCK U” stand in blauen Neonfarben auf einigen eingereichten Fotos. Diese Protestinstallation (nicht vom Lichtkünstler Michael Batz) gegen die “Marke Hamburg” und die „Eventisierung“ der Stadt (Harley Days, Hafengeburtstag, etc.) über der Fußgängerbrücke an der Hafenstrasse belegte nach dem Voting nicht nur die 5 vordersten Plätze, sondern vereinte auch ca. 10.000 Stimmen auf sich (alle weiteren Motive verzeichneten weniger als 50 Votes auf sich (diese Info ist dem Beitrag von Indymedia entnommen, da die Platzierungsübersicht nur wenige Stunden nach Abschluß des Votings aus dem Netz verschwand. Huch.))

Was macht man nun als Verantwortlicher, wenn es so aussieht, als trage die Facebookseite mit ihren knapp 750.000 Fans ab morgen „FUCK U“ im Titel? Man ändert die Regeln. Nachträglich. „So wollten wir das nicht haben“ verkündete hamburg.de und präsentierte die heute Abend praktizierte Lösung: „Es wird einen technischen Sieger und einen Sieger der Herzen geben.“ Und so gibt es jetzt zwei Gewinner. Die Kommentare auf Facebook lesen sich… emotional. 

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Unternehmen die Dynamik des Netzes und die Reichweite von Social Media unterschätzen. Und es ist nicht das erste Mal, dass sie falsch suboptimal reagieren. Vielleicht hätten sich die hamburg.de-Verantwortlichen das Beispiel der Firma Henkel ansehen sollen. Diese rief Kunden auf, eine limitierte Jubiläums-Flasche PrilAriel zu designen. Im Online-Voting ging Platz 1. an das Design mit der Aufschrift: „Schmeckt lecker nach Hähnchen!“. Henkel baute sich seinerzeit ein Sicherheitsnetz ein: eine Juryentscheidung wählte das finale Design aus den 10 besten Platzierungen aus. So konnte Schlimmstes verhindert werden.

OTTO hingegen bewies Rückgrat als sich im „Brigitte Fotowettbewerb“ ein Mann als Frau verkleidete und die Abstimmung gewann: er präsentierte – auch im Katalog konsequent als Frau verkleidet – die OTTO-Modestrecke und bescherte OTTO einen positiven und weitreichenden Hype in den sozialen Medien.

 

Fazit:
User-generated Content sorgt für Authentizität. User-Interaktion beweist Nähe zum „Volk“. Auf der Suche nach schnellem Content und Interaktionen wird allzu leicht vergessen, in welche Richtungen sich derartige Aktionen entwickeln können. In Hamburg regt sich Protest gegen Kommerzialisierung und Stadtmarketing an den Bewohnern vorbei. Da ist es nur umso vorhersehbarer gewesen, dass mit Protesten zu rechnen sei. Genaue Planung, klar formulierte (und durchdachte) Teilnahmebedingungen und ein Eskalationsplan helfen, dass die virale Kampagne nicht zur Sommergrippe ausartet. Oder man hat den Mumm und stellt sich der Kritik. Aber davon sind wir wohl meilenweit entfernt.

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

4 Kommentare
  • dieMelanie
    Veröffentlicht: 20:16h, 22 August Antworten

    Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich diese Beispiele, die eigentlich in jeder einführenden Veranstaltung zu Social Media vorgezeigt werden, immer noch nicht bis in die Eventplaner-Kreise herumgesprochen haben…

    BTW, Das war Pril… nicht Ariel. (Ariel ist noch nicht mal von Henkel!)

  • Jakob
    Veröffentlicht: 09:33h, 23 August Antworten

    Ich finde

    a) das Ergebnis nicht schlimm. Warum sollte sich Hamburg daran stören, dass es Menschen gibt, die andere Meinungen haben als von den Stadtvätern gewünscht? Das ist doch wunderbar in unserer pluralen, diversifizierten Gesellschaft. Man ist offen für alles und wenn man in Hamburg meint, dass „Fuck u“ die beste Beschreibung der Stadt ist, dann ist das doch ganz schön!

    Warum darf es bei solchen Gewinnspielen/ Votes denn immer nur „perfekte“ Ergebnisse geben? Dann würde darüber kein Mensch berichten. So haben tausende Blogs gebloggt und Menschen darüber getwittert – was will man mehr? Der Buzz ist nicht gerade positiv, aber immerhin: Die Leute lachen!

    b) die Reaktion der Veranstalter souverän. Ist halt schiefgelaufen – aber man löscht nix, Zensur findet also nicht statt. Alle sind glücklich.

    Social Media Berater können vor allem eins: Sich über schlechte Beispiele der Konkurrenz belustigen. Diesen Buzz hätte doch keiner von denen hinbekommen. Lieber etwas schlechte Publicity als ein Voting mit 3 Teilnehmern.

  • radicke
    Veröffentlicht: 10:26h, 23 August Antworten

    Wenn man eine Jury einsetzt, dann kann man auch einfach hinterher das Ergebnis zensieren…

    Und ich glaube nicht, daß man alle viralen Aspekte, Strömungen und Störungen vorher berücksichtigen kann – in diesem Fall haben ja auch nicht 10.000 Leute für „Fuck-You-Hamburg“ gestimmt (also aus politischen oder künsterischen Motiven), sondern eher aus dem Grund „Guck mal, lustiges Foto, wir voten das mal alle nach oben, weil es dann für hamburg.de peinlich wird“
    Und wenn der Zweck der Aktion so umgekehrt wurde, muß man eben hinterher korrigieren… Natürlich gibt es immer Leute, die die Art der Korrektur dann kritisieren – egal wie man´s macht…

  • Andi
    Veröffentlicht: 14:17h, 23 August Antworten

    Oh mann, kleine Social Media Panne und direkt wird von allen Social-Media-Experten wieder eine Größter-Social-Media-Fail-Aller-Zeiten-Sau durchs Dorf getrieben.

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