Das Internet ist das 21. Jahrhundert

13 Jul Das Internet ist das 21. Jahrhundert

Ich habe diesen Beitrag einige Tage in meinen Entwürfen liegen lassen. Die Diskussion um den großen Lauschangriff der NSA und des GHCQ sollte Fahrt aufnehmen. Ich wartete gespannt auf angemessene Reaktionen von Seiten aller Beteiligten. Ich warte noch immer. Es ist nicht viel passiert. Das aber zeigt viel.

 

Erich Mielke wäre vor Neid geplatzt, wenn der Abhörumfang seines Ministerium für Staatssicherheit seinerzeit an die breite Öffentlichkeit gelangt wäre und sowohl Politik als auch Volk hätten sich so entspannt verhalten wie dieser Tage: „Abgehört? Na und! Bespitzelt? Die Amerikaner sind doch unsere Freunde.“.

Die Informationen über die Spionageprogramme PRISM und TEMPORA offenbaren einen Umfang, den sich selbst die kühnsten Gehirne wohl kaum ausgemalt hätten. OpenDataCity visualisiert im Projekt „Stasi vs. NSA“, welche Datenmengen die NSA im Vergleich zur Stasi gespeichert hat und ebenfalls durch OpenDataCity wurden die Datenströme und Abhöreinrichtungen ausgewählter Internetdienste wie z.B. Facebook, Amazon, Twitter und Co. veranschaulicht. Das sieht alles nicht so recht nach Demokratie aus.

 

Die Reaktion von Volk & Volksvertreter: alles easy

Die Stellungnahme von Innenminister Friedrich im ZDF dürfte eindrucksvoll klar gemacht haben, dass die bundesdeutsche Regierung das Vorgehen der USA nicht nur billigt, sondern auch davon gewusst hat. Anders kann man sich den recht entspannten Umgang der Regierungsverantwortlichen mit den bekanntgewordenen Informationen nicht erklären. Aber auch die zig-Millionen privaten Internetbenutzer in Deutschland, die Facebook-, Twitter- und Amazon-Bediener, interessieren sich mehr für das Sommerloch als dafür, dass sie verdachtsunabhängig und grundgesetzwidrig von Amerikanern bespitzelt werden.

Das Verhalten von Politik und Volk kommt bekannt vor. Im Rahmen der Ankündigung der Bandbreitendrosselung durch die Telekom und die Abschaffung der echten Netzneutralität war die Entrüstung hierzulande ähnlich …beschaulich.

Abstrahiert man Art und Weise, wie die Diskussion um Flatrateabschaffung und großflächige Volksbespitzelung geführt wird, fällt auf, dass das Internet als Ort von Entertainment und Terrorismus gesehen wird. Wirklich schützenswert sagen nur die „Netzaktivisten“.

Doch die Wirklichkeit sieht es anders aus, auch wenn sich das wohl die Mehrheit nicht eingestehen will: das Internet ist die Grundlage unserer Gesellschaft. Ohne Internet kommt die Wirtschaft zum Erliegen, ohne Internet ist eine Regierung nicht handlungsfähig.

Auf Deutsch: ohne Internet geht heute gar nichts mehr.

Beispiele: Wir telefonieren via VoIP, wir bezahlen bargeldlos, unser Flugticket haben wir auf dem Smartphone, Unternehmen kommunizieren ausschließlich per Mail mit Geschäftspartnern, die Post führt den E-Brief ein, Onlinehändler existieren nur mit Internet…usw.

Ohne zuverlässige Onlineanbindung kommt die Wirtschaft zum Erliegen. Daten sind Informationen. Uneigeschränkter Zugang zu Daten ist gleichbedeutend mit uneingeschränktem Zugang zu Macht und Wettbewerbsvorsprung. Ich frage mich daher, warum von Seiten der deutschen Wirtschaft kein deutlicher Druck auf die Bundesregierung ausgeübt wird. Wie stehen Daimler, OTTO, SAP & Co. dazu, dass ihre streng vertrauliche Kommunikation durch Dritte unerlaubt mitgelesen und verarbeitet wird?

Wir reden im Zusammenhang mit PRISM über Wirtschaftsspionage.

Jeder Mitarbeiter unterzeichnet mit seinem Arbeitsvertrag die Verpflichtung auf Verschwiegenheit und Geheimhaltung. Das Veröffentlichen von Betriebsinternas führt zu Abmahnung und Entlassung. So wichtig ist Unternehmen die Geheimhaltung der eigenen Strategie und des Handelns.

Es bleibt für mich daher als großes Fragezeichen, warum derzeit ein Echo seitens der Wirtschaft ausbleibt.

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

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