Wie Prism und die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft schaden

04 Aug Wie Prism und die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft schaden

Das Sommerloch 2013 wird derzeit in historischer Art und Weise von der NSA und unserer Bundesregierung gestopft. In unerwartetem Ausmaß haben USA & Deutschland ein System erschaffen, den weltweiten Datenverkehr aufzuzeichnen und sich gegenseitig mit Daten zu versorgen.

Derzeit scheint sich aber kaum ein Bürger hierzulande wirklich ernsthaft über die Konsequenzen dieses Abhörskandals zu interessieren. Sind wir auf der einen Seite ein Volk, welches mit manische anmutender Begeisterung Häuserfasaden verpixeln lässt, sitzen wir nun seelenruhig da und lassen unsere komplette Kommunikation aufzeichnen und auswerten. Eine Unlogik, die wohl nur Psychologen erklären können.

Eine Frage, die in dem Gesamtkontext zu schwach beleuchtet wird: Wie werden sich Prism und Tempora, NSA und XKeyScore auf die Wirtschaft in Deutschland langfristig auswirken?

Bevor ich auf die Frage eingehe, empfehle ich jedem, sich dieses aufwändig produzierte Video über die Folgen einer sicherheitsmotivierten Überwachung anzusehen:


Quelle: Netzpolitik.org

Wie sind nun aber Folgen für die deutsche Wirtschaft zu erklären?

Gehen wir davon aus, dass sich die Bevölkerung ebenso engagiert verhalten wird, wie bei Googles Streetview-Projekt, als es sich deutsche Häuslebauer zur Aufgabe machten, ihre Hausfassaden verpixeln zu lassen, ist mit einer Veränderung des digitalen Konsumverhaltens zu rechnen. Der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein Thilo Weichert empfahl bei seinem Auftritt während der Veranstaltung #StopWatchingUs bereits „Amazon und Google abzuschaffen und das Datenaufkommen zu reduzieren“. Das heißt: der deutsche Nutzer reduziert bitte seinen Onlinekonsum. Ein Vorschlag, der die Bürger verhöhnt.

Global betrachtet koppelt sich der datenschutzverwöhnte und skeptische deutsche Internetbediener vom Internet und dem digitalen Wirtschaftszweig ab. Die Situation, die wir schon heute im internationalen Vergleich beobachten können – Deutschland belegt im Onlinebereich mittlere bis hintere Plätze – verschärft sich. Das Internet ist Globalisierung in Reinform. Spühren wir die reale Globalisierung unmittelbar, z.B. durch Pflegekräfte aus Osteuropa, wird die digitale Globalisierung lediglich mittelbar, in Wirtschaftsanalysen sichtbar.
Ein Klick entscheidet darüber, ob ein Produkt in Deutschland oder im Ausland gekauft wird. Ein Klick entscheidet, ob Grafiken in Thailand oder Thüringen freigestellt werden. Ein Klick entscheidet, ob Jahresberichte in China oder Magdeburg gedruckt werden.

Verändert sich das Nutzerverhalten durch Prism und Co, werden wir Zaungäste in einer vernetzten Welt, die von anderen Ländern gebaut und genutzt wird. Schon heute muss sich unsere Regierung fragen lassen, warum US-amerikanische Unternehmen wir Amazon, Google, Microsoft und Apple den deutschen Onlinemarkt beherrschen. Eine Antwort darauf lautet: Weil es in Deutschland keinen nahrhaften Boden für digitale Geschäftsmodelle gibt.

Beim Blick auf das Auftreten unserer Regierung im Fall Prism und der Positionierung pro oder contra Bürgerrecht offenbart, dass man von politischer Seite die langfristigen Gefahren für den Wirtschaftsstandort Deutschland ausblendet.

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

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