re:sumee der re:publica 2014: Das Internet ist kein Ponyhof

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10 Mai re:sumee der re:publica 2014: Das Internet ist kein Ponyhof

Mit ihrer 8. Auflage hat die re:publica endgültig ihre Vergangenheit als Bloggerkonferenz, Internetfestival und Klassentreffen abgeschüttelt.
Mehr als 6.000 Teilnehmer verfolgten Talks, Workshops, Impulsvorträge in 350 Sessions auf 18 Bühnen. Thematisch bewegte sich das Programm von Netzpolitik, Innovationen, Bildung bis hin zu Gesundheit, Medien und Wirtschaft. Die re:publica ist eine Konferenz, die sich zur Pflichtveranstaltung für jeden entwickelt, der den Entwicklungsprozess des Digitalen mitgestalten möchte.

Schluß mit lustig! Die Totalüberwachung hinterlässt Spuren.
Die re:publica hat ihre Leichtigkeit verloren und ist ernst, sehr ernst geworden. Bereits bei der Eröffnung wurde klar, dass das Netz kein Ponyhof ist, als auf der riesigen Leinwand in der STATION Berlin Fotos von politisch inhaftierten und teils verschollenen Menschen erschienen, die das Netz für demokratische Oppositionsarbeit nutzten. Die Enthüllungen von Edward Snowden schwangen in vielen Sessions und Talk auf der Konferenz mit. Vielmehr aber noch wurde das demokratiefeindliche Verhalten der Bundesregierung mit Besorgnis betrachtet.

Hallo! Ach Du bist das?!
Etwas das ich auf anderen Konferenzen nie erlebe, ist der Teil der re:publica, bei dem man sein virtuelles Netzwerk persönlich trifft und mit dem man auf dem Hof der STATION Berlin bei Grillwaren und Erfrischungsgetränken angeregt diskutieren kann. Die Sessions werden von den Bühnen in den Hof getragen und dort katalysiert, Meinungen getauscht und verteidigt. Das ist die re:publica: niemand geht mit seinen Gedanken alleine nach Hause.

Digitale Dokumentation der Konferenz
Die Organisatoren der re:publica legen die Latte für andere Konferenzveranstalter verdammt hoch. Nicht das die Sessions in den Räumen der STATION bleiben, so wurden in diesem Jahr alle Vorträge per Audio aufgezeichnet und ein sehr großer Teil per Videostream ins Netz transportiert. So finden sich auf dem re:publica-Kanal (https://www.youtube.com/playlist?list=PLAR_6-tD7IZV–8ydJQRCZNEWOp9vf6PY) auf Youtube die Vorträge der Mainstages. Auszugsweise fasse ich hier die Vorträge zusammen, die mich persönlich berührt haben und mit denen ich mich inhaltlich stark auseinandersetze:

Wie die Technik von heute die Arbeit von Morgen verändert!
Das ausgerechnet Microsoft und McKinsey eine Alianz bilden, um sich mit der Veränderung der Arbeitsformen zu beschäftigen, lässt erkennen, wie tiefgreifend der Veränderungsprozess in der Arbeitswelt sein wird. Zudem hat Microsoft erkannt, dass eine erfolgreiche Vermarktung der eigenen Produkte die angepassten Nutzungsform einhergeht. Vernetztes, orts- und zeitunabhängiges Teamwork in der Cloud erlaubt es, klassische Arbeitsstrukturen aufzugeben. Möchte man seine Produkte verkaufen, müssen die Anwender in die Lage versetzt werden, diese auch zu benutzen. Gab es früher dicke Handbücher, um das zu erreichen, gilt es heute Strukturen aufzubrechen. Eine digitale Aktenablage kommt ohne Aktenschrank aus. Team-Meetings brauchen keinen Besprechungsraum. Das muß in den Unternehmen ankommen. In Form von 33 Thesen wurde ein Manifest aufgestellt, wie sich Microsoft die Zukunft der Arbeit vorstellt.

Was mir persönlich in dieser Diskussion zu kurz kam, ist der Umgang mit externen Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit dem digital ausgelösten Transformationsprozess beschäftigen. Wie gelingt es, klassischen Unternehmen die Vorteile der eigenen, neuen Form der Arbeit zu überzeugen und Vertrauen dafür aufzubauen?

David Hasselhoff was looking for freedom
Mit Abstand den besten Marketing-Gag zog Mikko Hypponen von der finnischen Firma F-Secure aus dem Hut, der mit David Hasselhoff auf die Bühne kam, um für seinen Sicherheits-Service „Freedome“ zu werben. Auch wenn der einstudierte Dialog etwas hölzern wirkte, so aufmerksamkeitsstark war er. Die Idee hinter einem VPN-Service: Verschleierug der eigenen Identität und Verhinderung einer Rückverfolgung.


Video: https://www.youtube.com/watch?v=EMIsuZsfEVg

Felix Schwenzel liebt die Überwachung. Oder doch nicht?
„Vor Snowden war Sascha Lobo lustiger. Und ich auch.“ brachte es auf den Punkt. Auch Felix Schwenzel thematisierte die Entwicklungen der Totalüberwachungen. Während Sascha Lobo das Thema finanzielle Unterstützung als Lösungsansatz lieferte, beschäftigte sich Schwenzel mit der Visualisierung der Spähattacken der Geheimdienste. Solange es keine sichtbaren Opfer der staatlichen Angriffe gibt, solange wird das Thema kein Mainstream.


Video: https://www.youtube.com/watch?v=J-tgi5WV7LE

Wo das Internet lebt.
Was ist eigentlich dieses Internet und vor allem: wo ist es? Diese Fragen hat Moritz Metz sehr pragmatisch versucht zu beantworten. In Form einer Fotoreise verfolgte er die Glasfasterkabel von seiner heimischen Wohnung über Verteilerkästen in der Straße und zum zentralen Knoten nach Frankfurt/Main. Flog bis in die USA zu den Rechenzentren und besuchte Google und Facebook. Eine Reise mit viel ungeklärten Fragen, Geheimnissen und einem so liebevollen Fazit: „Ihr seid das Internet. Passt darauf auf.“

Die Stein-Strategie: Von der Kunst nicht zu Handeln.
Nichtstun will gelernt sein. Gerade in Zeiten, wo ein Hype den nächsten jagt, sieht sich jeder genötigt, am Ball zu bleiben und den neusten Trends zu folgen. Nicht immer ist diese Strategie die optimale, wie Holm Friebe bei der Vorstellung seines Buchs „Die Stein-Strategie: Von der Kunst, nicht zu handeln
“ feststellte. Statistisch gesehen haben Torhüter bei 11-Meter-Schüssen die größte Chance, ihren Kasten sauber zu halten, wenn sie sich nicht bewegen. Wird vom Unternehmen Dynamik und Bewegung von den Mitarbeitern gefordert, klingt es ungewöhnlich, eine Strategie des Abwartens zu verfolgen. „Mach´ es nicht mit, nur weil es „in“ ist. Verpasse es nicht, nur weil es „out“ ist.Steve Jobs antworte einmal nach der Vorstellung des iMacs auf die Frage nach der weiteren Unternehmensstrategie: „I´m going to wait for the next big thing.“ Was daraus wurde, wissen wir alle: iPod, iPhone, iPad, MacBook etc.


Video: https://www.youtube.com/watch?v=_tzjou5KGVo

Und am Ende sagt dieses Foto, wo wir uns alle in der Woche ab dem 4. Mai 2015 wiedersehen:
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Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

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