Facebook manipuliert Newsfeed: von der Naivität einer Nation

facebook_newsfeed

29 Jun Facebook manipuliert Newsfeed: von der Naivität einer Nation

Facebook hat in einer Studie von 2012 von 310.000690.000 Nutzern den News-Stream manipuliert, um herauszufinden, wie sich positive und negative Nachrichten auf das Nutzerverhalten auswirken. Die nun veröffentlichte Studie sorgt nun landesweit für Proteste von allen Seiten.

Facebook manipuliert Nutzer-Gefühle“ heisst es da. Ich weine. Aussagen wie diese sind ein Zeichen von unglaublicher Naivität und Ahnungslosigkeit.

Facebook ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Gewinnabsicht. Damit unterscheidet es sich in keiner Weise zu Unternehmen wie Daimler, ThyssenKrupp oder Apple, nur dass es eben nicht Autos, Stahl oder Laptops produziert, sondern Interaktionen und Kontakte. Der Rohstoff: Daten.

Während wir es als selbstverständlich betrachten, dass Apple den Produktionsprozess und die Verarbeitung der Rohstoffe so optimiert, dass man uns im Jahrestakt mit Innovationen überraschen kann, so gehen wir bei Facebook davon aus, dass unsere Daten heilig sind und damit in demokratisch umgegangen wird. Dabei sind doch wir die „Erde“ aus der Facebook den Rohstoff Daten gewinnt. Und wer fragt schon die Erde?

Die Empörung der Nutzer zeigt deutlich, wie verzerrt unser Bild von Facebook ist. Bloß weil da eine Möglichkeit existiert, seine Freunde zu „adden“ und der Welt seine Gedanken und Fotos des eigenen Essens auf einfache Art mitzuteilen, wird vorausgesetzt, dass dies ohne Gewinnabsicht und Einmischung stattzufinden hat?

Dabei wird völlig übersehen, dass wir die Konsumenten tagtäglich, online wie offline „Opfer“ von unzähligen emotionalen Tests sind.

Beispiel 1:
In Feldstudien wurde ermittelt, wie Geschäfte beleuchtet und beschallt werden müssen, damit sich die Kunden wohl fühlen und möglichst viel einkaufen. Dies geschah mittels Kameraüberwachung in Läden und Bewegungsanalyse der Kunden. Dies geschieht vom Kunden unbemerkt.

Beispiel 2:
Sogenannte A/B-Tests gehören zum Standard-Repertoire von Online-Shops und Online-Marketing. Dabei werden z.B. Newsletter in verschiedenen Varianten vorher definierten Zielgruppen geschickt und das Interaktionsverhalten verglichen. Dadurch ist es möglich, die Kundenansprache so zu modifizieren, dass z.B. mehr Kaufabschlüsse zustande kommen. Dies geschieht vom Kunden unbemerkt.

So gesehen sind die 310.000690.000 Testkandidaten von Facebook ja noch relativ harmlos. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Facebook diese Studie nun sogar der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Fazit:
Es wird Zeit, dass wir anfangen zu begreifen, dass Facebook, Google und Co. reine Wirtschaftsunternehmen sind, die einzig und allein ihren Aktionären zur Rechenschaft verpflichtet sind. (Wer von Ihnen, meine geschätzten Leser, hält Aktien von Daimler, Apple, Facebook?). Und Facebook´s einzige Ressource zur Umsatzsteigerung sind die Daten, die wir generieren und mit denen wir interagieren.

Update:
Der Rechtsanwalt Thomas Schwenke wirft einen rechtlichen Blick auf Facebooks Test.

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

1Kommentar
  • Gabriel Rath
    Veröffentlicht: 09:26h, 30 Juni Antworten

    Hallo Henning, danke für deinen Artikel, der eine unangenehme Wahrheit ausspricht. Ich würde den Medien allerdings unterstellen, dass sie bewußt auf ein Wording setzen („Manipulation“), das schockt, damit sich die Story verkauft. Und das „böse, böse Facebook“ ist da nach wie vor eine Story, die viele interessiert. Am Ende liest die Masse auch tendentiell nur die Headlines und studiert keinen Artikel auf Beweggründe usw. Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass der durchschnittliche Facebook-User von der „Datenwirtschaft“ keinen Schimmer hat, da man FB als ein „Internetforum“ betrachtet, in dem eben auch Werbeanzeigen geschaltet werden. Tatsächlich steht uns als „Internetmenschen“ da noch eine Menge Aufklärungsarbeit ins Haus.

Hinterlassen Sie einen Kommentar