The Economist über Deutschlands Digital-Phobie

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07 Sep The Economist über Deutschlands Digital-Phobie

Heute Morgen machte mich Thomas Knüwer auf einen Artikel im „The Economist“ aufmerksam. Unter der Überschrift „Googlephobia“ wird Deutschlands Digitalpolitik als „kurzsichtig und selbstzerstörerisch“ bezeichnet. Ein kurzer aber heftiger Kommentar, über ein Land welches den Anschluß verpasst.

 

Digital-Hysterie:

Google (…) has been a particular focus for increasingly hysterical criticism. Mathias Döpfner, the head of Axel Springer, Germany’s biggest newspaper publisher, has compared Google to the giant Fafner in Wagner´s „Ring of the Nibelungen“.

Google ist Mittelpunkt einer stegig wachsenden Hysterie geworden. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des deutschen Medienunternehmens Axel Springer SE, verglich Google mit dem „Fafner„, dem Umarmer, in Wagner´s „Ring der Nibelungen“.

Beim dem u.a. von Springer lobbyistisch durchgesetzten Leistungsschutzrecht geht es den Verlagen darum, von Google Geld dafür zu erhalten, dass der Suchmaschinenbetreiber Leser auf die jeweiligen Verlagsangebote weiterleitet. Erst vor ein paar Tagen sind die Verlage vor dem Kartellamt gegen Google gescheitert. Das Auftreten der Verlage ist bühnenreif. Wagner wäre stolz darauf.

 

„Silicon Valley to Silicon villain“

Instead of trying to put Google in a straitjacket, German politicians would do better to raze the barriers that make it so hard for startups on the old continent to grow as fast as they do in America.

Anstatt Google in eine Zwangsjacke zu stecken, würden die deutschen Politiker besser daran tun, die Barrieren niederzureißen, die es Startups so schwer machen, sich so schnell wie in den USA zu entwickeln.

Man muß gar nicht so weit weg sehen, um zu verstehen welche Hemnisse im System eingebaut sind. Im Gespräch mit dem Mitarbeiter einer Bank, Abteilung Unternehmensfinanzierung, gab mir dieser zu verstehen, dass Kredite unter 50.000 Euro von der Bank nicht vergeben werden. Zuviel Aufwand. Und der Versuch, die Ich AGs als Kosmetik für die Arbeitslosenzahlen zu verwenden, trug auch nicht nachhaltig zur Verbesserung der Gründerkultur bei.

 

Angst vor Bewegung

And Germany’s digital phobia is driven not just by cultural memory, but also by firms that want the state to protect their business models and keep competitors out.

Deutschlands digitale Angst ist nicht nur durch geschichtliche Hintergründe (Nazi- und Stasi-Regime) motiviert, sondern auch durch Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell unverändert schützen und Wettbewerber fernhalten wollen.

Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren erlebt, dass Unternehmen höchstrichterliche Entscheidungen eingefordert haben, um sich gegenüber unliebesamen Wettbewerbern zu Wehr zu setzen. Was ist nur aus dem Spruch „Handel ist Wandel“ geworden? Jüngstes Beispiel „Uber“ setzt das deutsche Taxi-Monopol unter Druck. Anstatt auf den neuen Player angemessen zu reagieren, klagt die Taxi-Innung ihre Besitzstände vor dem Landgericht Frankfurt ein. Und bekommt Recht. Der Verlierer ist nicht etwa Uber, sondern wir, die Endkunden. Deutsche Unternehmen haben uns Kunden aus den Augen verloren.

 

Auf dem eigenen Teller wird gegessen

Cutting regulations at home would be a better way of securing Germany’s digital future than decrying innovators from abroad…

Regularien abzubauen wäre ein besserer Weg in die digitale Zukunft, als innovative Unternehmen aus dem Ausland anzuprangern.

 

Fazit: Digital-Deutschland ist nicht das Land der Dichter und Denker, sondern der Richter und Henker.

Den Kommentar aus dem „The Economist“ gibt es hier nachzulesen…

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

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