plentymarkets Händler-Kongress 2015: Die Angst geht um im E-Commerce

plentymarket01

01 Mrz plentymarkets Händler-Kongress 2015: Die Angst geht um im E-Commerce

Bereits zum 8. Mal veranstaltete Plentymarkets, der Anbieter der gleichnamigen cloudbasierten Shop- & ERP-Lösung, den Händler-Kongress. Mein erster Besuch dieser Veranstaltung in Kassel, die eine informative Mischung aus Keynotes, Sessions und Messe bot. Bestand das Publikum offenbar weitgehend aus Plenty-Nutzern, brachten die Veranstalter einige gute Vordenker und Analysten rund um das Thema E-Commerce auf die Bühne: Johannes Altmann, Peter Höschl, Alexander Graf to name a few. Dies aber zur Unfreude mancher. Zu meiner Überraschung wurden auf der großen Bühne ernste Worte an die Vielzahl der anwesenden Shopbetreiber gerichtet, etwas das man auf ähnlichen Veranstaltungen manchmal vermisst. Dr. Jens Rothenstein vom ECC Köln z.B. gab einen kompakten Überblick über die Prognosen des Instituts.

Auf der einen Seite bestätigte er die allseits bekannte disruptive Wirkung des digitalen Handels: Käufer- und Umsatzschwund im stationären Handel, Multi-Channel-Ansätze, Showrooming. Aber, und das hat mich positiv überrascht, er ging auch detailliert auf die Veränderungen des reinen E-Commerce-Segments ein. Zwar sprießen Onlineshops noch immer ständig aus dem Boden, schaut man sich aber auf die Umsatzentwicklung und Marktbedeutung zeichnet der ECC ein weniger euphorisches Bild. Von den Top 1000 Shops in Deutschland wächst lediglich die Spitze kontinuierlich, im Mittelfeld (Top 100) tummeln sich VC-getriebene Unternehmen mit dem Ziel des schnellen Verkaufs. Die breite Masse an Shops jedoch stagniert. Andere Studien belegen, dass Kunden in max. 2-3 verschiedenen Shops einkaufen. Und wenn Amazon schon einer davon ist, bleibt für den Rest nur der Krümel vom Kuchen.

Steile These, die unter den Händler wahrnehmbare Resignation auslöste: 90% der Online-Only-Händler werden langfristig vom Markt verschwinden. Den sogenannten „Kistenschiebern“, Me-To-Shops, wird keine Zukunft vorausgesagt.

Expertenpanel über die Zukunft des E-Commerce

Aber es wurden Lösungswege aufgezeigt. Noch immer sind wichtige Handelsposition im Onlinebereich unbesetzt.

  • Special Interest Shops
  • Konfigurierbare Produkte
  • B2B-Handel
  • Fair produzierte Produkte
  • Gourmetprodukte
  • Emotionale Produkte

In diesen Bereich, die Matthias Steinforth geprägt hat, besteht Wachstumspotential, da große Unternehmen aufgrund ihrer Kosten- und Prozesstruktur kaum in der Lage sind, Nischen zu bedienen. Hier wird kleinen und mittelständischen Shopbetreibern ein Feld überlassen, welches derzeit noch unzureichend bewirtschaftet wird. Unserer Einschätzung und persönlicher Geschäftserfahrung nach, setzt ein Engagement in diesen Bereich Spezialwissen voraus, welches wohl auch als Hinderungsgrund für manche Shopanbieter zu deuten ist. In weiteren Session an diesem Tag wurden dazu wertvolle strategische Werkzeuge vorgestellt.

 

Ein Eisberg a la Johannes Altmann | Shoplupe

Ein Eisberg a la Johannes Altmann | Shoplupe

Johannes Altmann hat in seinem Vortrag über „Die UXstory – der User im Shop“ ein schönes Eisbergmodell skizziert: Während Shopbetreiber häufig „am Shop“ arbeiten, verliert sich der Blick auf das „mit dem Shop arbeiten“. Die Spitze des Eisbergs, der aus dem Wasser schaut, ist der für den Endkunden wahrnehmbare Bereich, der aber auf einen deutlich größeren Teil unterhalb der Wasserfläche fußt. Kurz gesagt: das schönste Layout nützt nichts, wenn im Hintergrund keine Substanz ist. Das Stichwort lautet: Strategie.

Plentymarkets Geschäftsführer Steffen Griesel überraschte in seiner ausgebuchten Session mit der Vorstellung der EKS, der Engpass-Konzentrierten Strategie nach Prof. Wolfgang Mewes. Alleine diese Definition der Ziele der EKS zeigt, welche Gedanken sich Plentymarkets um seine Kunden macht:

Daher liegt das Ziel des unternehmerischen Strebens laut EKS eben NICHT in der Gewinnmaximierung, sondern in der Maximierung des Nutzens für die Zielgruppe. Ein entsprechender finanzieller Erfolg und die mittel- bis langfristige Marktführung im jeweiligen Segment sind die logische Folge.

(Quelle: Strategie.net)

Dieses Zitat schlägt im Grunde den Bogen zu den o.g. Nischen, in denen noch Wachstum möglich ist. Nicht mehr „Think big“ sollte die Devise sein, sondern „Be smart“.

 

Fazit & Gedanken: der Plentymarkets Händler-Kongress hat mich überrascht: die Deutlichkeit mit der die Händler zum Reflektieren der eigenen Geschäftsmodelle angeregt wurden zeigt, wie sehr Plenty von seinen Kunden abhängig ist. Bietet das System eine extrem niedrige (und gut gemachte) Einstiegshürde in den Onlinehandel, kann es dem Unternehmen mittelfristig zum Verhängnis werden, wenn es nicht gelingt, seine Kunden fit für die Zukunft zu machen. Die Zeit der „Goldgräberstimmung“ in der alleine das Eröffnen eines Shops Erfolg versprach, ist mittlerweile definitiv vorbei. Die Komplexität, die zum Aufbau, Betrieb und zur Vermarktung einer Plattform notwendig ist, ist u.U. durch die potentielle Zielgruppe nur noch sehr schwer leistbar. Vor all diesen Hintergründen, und auch als Agentur die nicht mit Plenty zusammenarbeitet, kann ich den Veranstaltern ein Kompliment für die Offenheit und die Unterstützung ihrer Kunden aussprechen.

 

 

 

Henning Groß
henning.gross@netzkombyse.de

Inhaber der NetzKombyse, Agentur für E-Commerce und Markenentwicklung in Hamburg. Als zertifizierte Shopware-Agentur realisieren sein Team und er individuelle Shop- und Markenkonzepte. Schwerpunkt stellt die kompetente Beratung der Kunden und deren Begleitung dar. Die konsequente Fokussierung auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit steht dabei im Fokus. Henning Groß verfügt über umfangreiches Multi-Channel-Know-How. In der OTTO Gruppe im Multi-Channel-Commerce tätig, gründete er als Solopreneur erst ein Smart Business und 2011 die NetzKombyse.

5 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar